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Ein Zukunftsdialog

Geschrieben von: Samira Ellmer

Benjamin Stöwe gleitet mit gemächlichen Schritten durch die Schulaula des Melanchthon-Gymnasiums, ein Mikrofon in der linken Hand haltend, um sogleich einer Person aus dem Publikum die erste, scheinbar einfache Frage zu stellen: Was einem 17-jährigen Schüler an einem (zu) warmen Freitagmittag durch den Kopf gehe. Doch es handelt sich dabei keinesfalls um trivialen Smalltalk, sondern um ein ebenso politisches wie gesellschaftlich relevantes Thema - Klimawandel.


"Deutschland zwischen Exportnation und Nachhaltigkeit - Wie retten wir unser Klima?" lautet die Problemstellung der politischen Podiumsdiskussion an unserer Schule am 8.6.2018 vor allem für die Schüler der 11. Klasse. Nach dem Erfolg der Gesprächsrunde des vergangenen Jahres über das Verhältnis zwischen Europa und den Vereinigten Staaten diskutieren dieses Jahr Tobias Münchmeyer, Leiter der politischen Abteilung von Greenpeace, und Dr. Eberhard von Rottenburg vom Bundesverband der Deutschen Industrie 90 Minuten lang über die Notwendigkeit, auf die derzeitigen starken Klimaveränderungen zu reagieren und die Rolle von Bürgern, Politik und Wirtschaft bei der Bewältigung dieser Aufgabe.


Benjamin Stöwe als Moderator lässt dabei nicht nur die beiden Experten, sondern auch zahlreiche interessierte Schüler aus dem Publikum zu Wort kommen. So wird über Extremwetterereignisse und Symbolpolitik, die Wirksamkeit von Verboten, kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, den Energiemix und teure Bio-Produkte gesprochen und obwohl allen Anwesenden klar ist, dass etwas gegen den fortschreitenden Klimawandel getan werden muss, gibt es doch unterschiedliche Ansichten darüber, wie die Gegenmaßnahmen auszusehen haben.

Während Herr Münchmeyer aufgrund der zeitlichen Dringlichkeit des Problem vor allem eine aktivere Politik mit härteren Gesetzen fordert, die den Bürger unterstützen sollen, nachhaltiger und bewusster zu leben, setzt Herr Dr. von Rottenburg auf die Innovationsfähigkeit der Wissenschaft bei der Entwicklung umweltfreundlicherer Technologien und auf einen langsamen Imagewandel z.B. bezüglich der Frage, ob in Zukunft ein Mercedes oder ein Tesla - Auto cooler ist.

Durch diese verschiedenen Ansätze zur Bewältigung desselben Problems entsteht eine angeregte Diskussion, die dem Gespräch die nötige Lebhaftigkeit verleiht und kritische Nachfragen ermöglicht. So kommt auch im Publikum die Frage auf, ob die Tatsache, dass die Auswirkungen des Klimawandels Deutschland bisher noch nicht allzu hart getroffen haben, dazu führt, dass die Menschen trotz umfassender Aufklärung bisher noch zu bequem sind, ihre eigenen Handlungen zu überdenken oder ob aufgrund unzureichender politischer Rahmenbedingungen die Möglichkeiten fehlen, als Individuum, ohne übermäßigen zusätzlichen Kostenaufwand, zum Erreichen der Klimaziele beizutragen.


Dabei orientiert sich die Themenauswahl des Gesprächs vorrangig am Alltag der Schüler, weshalb lokale und nationale Herausforderungen gegenüber abstrakten, weltpolitischen Sichtweisen dominieren. Somit ist der globale Kontext teilweise etwas vernachlässigt worden, was jedoch angesichts der Komplexität des Themas unausweichlich ist.


Am Ende der sehr gelungenen Diskussionsrunde, nach zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum, gleitet Benjamin Stöwe mit dem Mikrofon in der Hand wieder nach vorn zu den Experten, um ihnen die abschließende Frage zu stellen, nämlich ob diese optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft schauen würden. Während die beiden Experten antworten, bildet sich dann vermutlich so manch ein Schüler eine eigene Meinung über diese Frage.


Und genau das - die Tatsache, dass in diesem Moment vielen Schülern an einem (zu) warmen Freitagnachmittag das Thema Umweltschutz durch den Kopf geht - genau das, lässt einen optimistisch in die Zukunft schauen - in eine Zukunft, die wir mitgestalten dürfen und mitgestalten müssen, um gemeinsam unser Klima zu retten.